© Hassan Haddad
© Hassan Haddad

Hassan Haddad – von einem, der seine inneren Felder bestellt

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Teil 13: Hassan Haddad

Hassan Haddad erzählt uns seine Geschichten am Punkt zwischen Einatmen und Ausatmen.

Seine Seele sei ein Feld.

 

Ritter ohne Beine, die Schlacht ist vorüber.

Jetzt suchst du in den Trümmern,

jetzt gräbst du dir die Sehnsucht nach dem Heute aus.

Auf der gewesenen Stadt willst du Melonen blühen lassen.

Und doch fragst du, wo denn die ganzen Leute sind.

 

Stolz, deine Haut ist glatt.

Du trägst

und trägst

und trägst

sie zu Markte,

bis sie abgewetzt von dir fällt.

Kauf dir eine neue

und trage sie

und trage sie

und trage sie

zu Markte,

bis du dir

eine neue

eine neue

eine neue

kaufst

und kaufst

und kaufst

und dir das Eitle von den Knochen fällt,

dann fall auch du, wenn dir zweisam nur der Einkampf bleibt.

 

Und während der Ritter nach dem Heute sucht und während der Stolz seine Haut verliert und Wieder um Wieder wiederkriegt, setzt sich einer in den Schatten und weiß, was er heute vollbracht hat. Er hat das Werkzeug aus der Hand gelegt,

er ist vom Werkstück zwei, drei Schritte zurückgetreten,

er betrachtet seine Schöpfung,

mit geschlossenen Augen,

die eigene Achillesferse spürend.

Mir tritt niemand zu nahe.

Mich bringt nichts zu Fall,

solange ich in mir in Ruhe

im Schaffen bin.

 

Ein Lustspiel gibt uns die Macht heute wieder.

Drei, vier Fetzen Weisheit hat sie sich in die Perücke geflochten.

Ihre Muskeln lassen keinen Zweifel:

Die haut dich um, wenn du ihr keinen Gefallen tust.

In ihren Armen,

an ihren Lippen,

wird dir wieder warm,

aber tanzen,

für uns alle tanzen,

kann sie nur mit dem kalten Stahl an ihrer Haut.

 

Hassan Haddad zeigt uns entwurzelte Wesen,

die sich erschöpfen,

in fremden Universen verausgaben,

die aushalten, was nicht auszuhalten ist.

Wenn der Sandsturm die Seiten verblättert, legt er seine Hand ins Buch.

Kein Blick darf getrübt werden, ohne dass etwas verborgen geglaubt gemacht wird,

denn wenn es in der Erde brodelt,

wenn es in uns brodelt,

wenn unser Fleisch brodelt,

bleibt uns doch nur der Tanz auf dem Vulkan.

Hassan Haddad lässt bitten.


Über den Künstler:

Geboren 1962 in Balad, Irak
1980-86 Studium Grafikdesign und Kunst an der Academy of Fine Arts, Bagdad
Lebt und arbeitet seit 1998 als freischaffender Künstler in Leipzig

Ausstellungen (Auswahl):

Gruppenausstellungen

2020: Boushahri Gallery, Kuwait City, Kuwait
2019: Galerie Olga Scheck, Döbeln
2019: Galerie Kunstkonzil, Leipzig

2018/17/15/13/11/10: Bayreuther Kunstausstellung

2008/07/06: Villa Kobe, Halle (Saale): Große Kunstausstellung

2002: Internationale Schau Künstler zwischen den Kulturen, Leipzig (Organisation und Teilnahme)

Einzelausstellungen

2019: Galerie Kunstkonzil, Leipzig: Stille See. Gemälde und Zeichnungen

2018: Kunstverein, Bayreuth: Fahrt wohin. Gemälde

2014: Willi-Sitte-Galerie, Merseburg: Der menschliche Faktor. Gemälde

2009: Galerie Brand Contemporary Art, Groningen, Niederlande: Zenit. Gemälde

2008: MDR, Leipzig: Real ist alles, nur die Welt ist’s nicht. Gemälde und Zeichnungen

2006: Kunstkreis Wassermühle, Lohne: Fließende Übergänge. Gemälde und Zeichnungen

2001: Telekom, Leipzig: Verloren im Sumpf. Gemälde

1999: Haus des Buches, Leipzig


Künstlertext Series

Meine Idee ist, literarische Texte zum Werk in Leipzig ansässiger Künstler zu verfassen. Ich möchte meine Eindrücke schildern, um die Leser auch auf weniger bekannte Künstler der Stadt aufmerksam und ihre Arbeiten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Nils Müller, geboren 1990 in Leipzig, lebt ebenda als freischaffender Autor. Er hat den Begriff der Kunst als Gewissen der Menschheit in sich aufgenommen und gibt diesen Auftrag an die Leser und Zuhörer weiter. Seine Texte wurden bisher in den Literaturzeitschriften FreiDenker, Syrinx Magazine, neolith- Magazin und dem Magazin des Unternehmens "bring together" sowie im Webzine "The Leipzig Glocal" veröffentlicht.

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